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GEMEINDE vor ORT… GEMEINDE unterwegs

Besinnung

Was sind wir doch immer froh, wenn etwas fertig ist. Nicht nur zur Weihnachtszeit. Wir atmen auf, wir lassen uns in den Sessel fallen, wir genießen diesen Augenblick. Und schnell ist vergessen, welche Mühe es machte, um dieses eine fertig werden zu lassen. Da waren ja oft auch andere beteiligt. Dann schauen wir hoffentlich etwas dankbarer drauf. Welche Mühe hat es gemacht. Und nun dieses Ergebnis! Doch bald wird klar: die nächste Aufgabe steht an. Vielleicht eine wunderbare Sache. Ich überlege, wie ich sie beginne. Oder gibt es noch andere, die mir dabei helfen?

 

Auf unserem Titel-Bild sehe ich etwas, was zwar besonders ist, aber doch nicht so fern von dem, was wir erleben: ein Engel, also ein Bote, bringt Maria eine gute Nachricht. Er hilft Gott, um eine Zusage in die Welt zu bringen, die durch Maria wichtig wird für viele. Der Engel ist gut ausgestattet auf diesem Bild. Der Künstler möchte den Betrachtern deutlich machen, wie wichtig dieses Geschehen ist: da sehen wir ein üppiges Kleid, natürlich die beflügelnden Zutaten und auch eine Lilie, ein altes christliches Symbol für Licht, Reinheit und Jungfräulichkeit.

 

Die Betrachter der ersten Stunde dieses Bildes waren Christen in Barenthin. 1716 schuf der Maler Christian Ludwig Schlichting für die Empore der Kirche einen ganzen Bilderzyklus. Umseitig sehen Sie das erste Bild, dann folgen eine Darstellung der Geburt Jesu und 14 Bilder zu den Passionsgeschichten. Abschließend finden sich Darstellungen des Ostergeschehens und der Himmelfahrt Jesu.

 

Die Verkündigung der Geburt Jesu an Maria: für uns ist dies ein erstes Zeichen dafür, dass Weihnachten folgen wird. Für Maria ist noch beinahe alles offen; eine große Herausforderung kommt auf sie zu – wie soll sie dies bewältigen? Und doch erzählt uns Lukas, mit welcher Klarheit und Gefasstheit sie diese Aufgabe annimmt. Weil sie weiß, dass ihr geholfen wird. Und sie singt das Lied vom Umsturz der Gewalten und Gewaltigen. Lesen Sie es mal nach bei Lukas 2, 46-55. Das macht Mut und enthält Verheißungen, die noch zu erfüllen sind.

 

Die Geburt Jesu, die wir auch 2018 wieder feiern wollen, ist als klares Zeichen dafür zu sehen, dass nicht alles bleiben wird, wie es ist. Wenn wir dies einander nicht immer wieder kräftig und bekennend sagen und vor allem feiern würden, wäre die Welt längst verloren. Dies gilt für uns Christen im Alltag ebenso wie für alle Menschen, insbesondere auch für die Verantwortlichen in Kirche und Gesellschaft. Manches ist geschafft bei uns, doch noch alles und noch längst nicht für andere: Frieden, Gerechtigkeit, Schöpfungsbewahrung. Die nächste Aufgabe: beginnen wir sie doch miteinander und im Vertrauen, dass Gott auch uns zur Seite ist und uns beschenkt mit seinem guten Geist (Symbol: die Taube) – wie der überraschten Maria.

 Henning Utpatel